Pädagogisches Konzept

Der Wunsch nach einem friedlichen und gewaltfreien Umgang miteinander ist allgegenwärtig. In der Realität sieht es zum Teil anders aus. Es ist zu beobachten, dass schon Kinder ihre Konflikte oftmals gewaltsam lösen.
Um dem vorzubeugen entwickelte der Verein „Konfliktkompetenz Thüringen e.V.“ Projekte zur Gewaltprävention durch die Befähigung zur konstruktiven Konfliktklärung. Das vorliegende pädagogische Konzept umfasst Ziel, Rahmen und thematische Schwerpunkte.

Jungen Menschen und Erziehungsberechtigten sollen Angebote des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes gemacht werden. „Die Maßnahmen sollen [...] junge Menschen befähigen, sich vor gefährdenden Einflüssen zu schützen und sie zu Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie zur Verantwortung gegenüber ihrer Mitmenschen führen.“ (KJHG §14.1, dtv München 2002, S. 20)

Das Ziel unserer Arbeit ist es, dass Kinder und Jugendliche lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen und dies in ihrem Lebensalltag umsetzen können. Darüber hinaus wollen wir mit unserer Arbeit ein Forum schaffen, diesen Lernprozess in Gang zu setzen.
Dazu werden Projekte für Kinder- und Schülergruppen, Beratungsangebote und Weiterbildungsveranstaltungen für PädagogInnen und interessierte Erwachsene angeboten.

Die zentralen Themen der Projektarbeit sind das Vermitteln und Einüben von Methoden zur konstruktiven Lösung von Konflikten und die Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen. Die soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen soll professionell unterstützt werden, damit sie sich zu
eigenständigen, ich-starken, beziehungs- und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln können.
Die Projektarbeit ist sowohl präventiv als auch intervenierend angelegt.

Konflikte werden als konkrete Chance betrachtet, alte Verhaltensmuster aufzubrechen und den Kindern und Jugendlichen Verhaltensalternativen aufzuzeigen und zu erproben.

Die Projektarbeit findet in folgendem Rahmen statt:

Die Projektarbeit richtet sich an Kinder und Jugendliche: Schüler aller Schultypen von Berufsschulen, weiterführenden Schulen bis zu Grundschulen und Kindergartenkinder.
In weiterführenden Schulen und Berufsschulen sind die Klärung von Konflikten und die Erlangung einer nachhaltigen Konfliktkompetenz wesentliche Schwerpunkte.
Die Projektarbeit bei Vor- und Grundschulkindern und zu Beginn der Sekundarstufe zielt insbesondere darauf ab, neue konstruktive Verhaltensmuster zu erlernen und zu etablieren, da sich in diesen Altersgruppen problematische Verhaltensweisen noch nicht verfestigt haben.
Dabei wird mit jeweils an die Alterstufe angepassten Methoden gearbeitet.

Es werden Projekte zu folgenden Themen angeboten:

  • Erlernen und Einüben der konstruktiven Konfliktklärung
  • Mobbing-Prävention
  • Mobbing-Intervention

Die Zielgruppe sind Schulklassen oder feste Gruppen. Der Klassenverband bzw. die Kindergartengruppe stellt eine stabile soziale Bezugsgruppe mit den damit verbundenen günstigen sozialen Lernmöglichkeiten dar.

Die Projekttage werden im Team von zwei bis drei ausgebildeten PädagogInnen durchgeführt. Im Rahmen der Qualitätssicherung findet ein fachlicher und organisatorischer Austausch in Fallbesprechungen und Supervisionen statt.

Das pädagogische Arbeiten erfolgt ganzheitlich und erfahrungsorientiert. Kinder und Jugendliche können sich selbst ausprobieren und durch anschließende Reflexion neue Erkenntnisse aus den eigenen Erfahrungen gewinnen.
Die Projektinhalte werden im Rahmen der thematischen Schwerpunkte auf den Bedarf der jeweiligen Gruppe abgestimmt und zielgerichtet eingesetzt.
Um die Nachhaltigkeit gut zu gewähren, sollten die vermittelten Methoden und Inhalte unbedingt fortgeführt werden.
Wie das geschehen kann, wird mit den Schülern im Projekt und mit den PädagogInnen in begleitenden Gesprächen entwickelt.

Deshalb ist die Zusammenarbeit mit den LehrerInnen bzw. ErzieherInnen für den Erfolg der Projektarbeit sehr wichtig.
Vor Projektbeginn werden mit den PädagogInnen die Themen und Inhalte besprochen und gemeinsame Ziele vereinbart. Der Austausch und fachliche Dialog wird während der Projektarbeit weitergeführt.

Thematische Schwerpunkte der Projektarbeit:

  • Das Erlernen gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien
    Kern der Projektarbeit ist das Erlernen und Einüben von Methoden zur friedlichen Lösung von Konflikten. Dazu wird die Methode der Mediation eingeführt und während des Projektes trainiert, um Konflikte und aktuelle „heiße“ Themen miteinander zu klären. Die Schüler werden gestärkt ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu verbalisieren. Ziel ist, dass eine Lösung gefunden wird, mit der alle Beteiligten einver-
    standen sind.
    Ein Grundsatz in der Bearbeitung aktueller Konflikte ist, das Verhalten eines Menschen nicht mit seiner Person gleichzustellen, d.h., dass das Verhalten ggf. kritisch benannt, aber der Mensch in seiner Persönlichkeit nicht abgewertet wird. Wenn es gelingt, die Gründe für das jeweilige schwierige Verhalten zu erkennen, eröffnet das die Möglichkeit, alternative und konstruktive Lösungen zu finden.
    Weitere Methoden sind z. B. Rollenspiele, Konfliktklärung mit dem Eisbergmodell und der Methode der Konflikt-Perspektiv-Analyse (KPA®).
  • Die Stärkung des Selbstwertgefühls
    Der Umgang mit den SchülerInnen und Kindergartenkindern im Projekt ist geprägt von Stärkenorientierung und der positiven Verstärkung des erwünschten Verhaltens.
    Die Schüler werden durch Übungen und Spiele angeregt, sich selbst und Andere differenziert und positiv wahrzunehmen. Aus dieser Wahrnehmung heraus kann die Stärke und Sicherheit erwachsen, eigenes Verhalten zu reflektieren und neu zu gestalten.
  • Die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls
    Die kooperativen Übungen basieren auf Teamarbeit und haben zum Ziel, dass die Klasse durch die Bewältigung einer gemeinsamen Aufgabe zusammen wächst und der Klassenzusammenhalt gestärkt wird. Gegenseitige Rücksichtnahme, kooperatives Handeln und Hilfsbereitschaft werden gefördert. Der Fokus besteht auf dem gemeinsamen Erfolg.
  • Die Förderung der Gefühlswahrnehmung
    Die Schüler lernen verschiedene Gefühle kennen, und üben, sie bei sich wahrzunehmen und bei anderen zu benennen.
    Ziel ist der bewusste Umgang mit den eigenen Gefühlen, die Fähigkeit, Grenzen für sich zu setzen und eine bessere Fremdwahrnehmung, die zu Empathie und größerer Akzeptanz führt.
  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit
    Die Schüler lernen zuzuhören, ihre Gedanken sprachlich auszudrücken und sich angemessen miteinander zu verständigen, z.B. durch Übungen im Gesprächskreis und in Kleingruppen.
  • Mobbingintervention und Beratung
    Wir bieten Beratung für vom Mobbing betroffene Kinder und Jugendliche sowie für Eltern und pädagogische Fachkräfte an.
    Im Rahmen der Beratung oder einer möglichen Projektarbeit bieten wir Aufklärung und Informationen zu Mobbingabläufen, -strukturen und zu
    Cybermobbing an.
    In mehrtägigen Projekten führen wir Interventionen in Schulklassen durch. Bei der Problembearbeitung arbeiten wir mit mediativen Methoden.

Ergänzende Inhalte der Projektarbeit:

  • Spiele ohne Gewinner und Verlierer
    Spiele, bei denen es weder Gewinner noch Verlierer gibt, sind wesentlicher Bestandteil der Projekte. Sie lockern auf und setzen für die thematische Arbeit neue Kräfte frei, ermöglichen neue Aspekte des gegenseitigen Kennenlernens und verstärken das Zusammengehörigkeitsgefühl.
    Die Spiele im Projekt befördern außerdem die Vertrauensbeziehung zu den SchülerInnen, auf deren Basis an den Klassenproblemen gearbeitet und Konfliktgespräche geführt werden können.
  • Die Einübung von Entspannungstechniken
    Mit verschiedenen Methoden sollen die Schüler zu Entspannung und Ruhe hingeführt werden, die Körperwahrnehmung wird verbessert und der Abbau von Aggressivität ermöglicht, z.B. durch Fantasiereisen und Geschichten-Massagen.
  • Der kritischer Umgang mit den Medien
    Die Medienkompetenz der Schüler wird in mehrtägigen Seminaren gefördert. Die Medienwelt kann z.B. durch das Drehen eines eigenen Films für sie durchschaubarer werden.
  • Weiterbildungen
    Weiterhin bieten wir neben den Projekten für Kinder- und Schülergruppen Weiterbildungsveranstaltungen für PädagogInnen und interessierte Erwachsene und thematische oder projektbezogene Elternabende an.